Astrologie und Wissenschaft

Die Astrologie in der Wissenschaft

Astrologie und Wissenschaft - Ein Widerspruch?

Astronomie und Astrologie waren ursprünglich an Universitäten gleichberechtigte Lehrgegenstände, sozusagen zwei Seiten derselben Medaille. Dies belegt beispielsweise die Tatsache, dass der berühmte Astronom Johannes Kepler sich intensiv mit der Astrologie auseinandersetzte und sie vehement verteidigte. Doch dieses friedliche Nebeneinander änderte sich im 18. und 19. Jahrhundert als gemäss Sir Isaac Newton das mechanistische Weltbild Einzug hielt, das strikt besagte, dass jede Wirkung auch eine nachweisbare Ursache haben muss. Da die Astrologie bis dato keine schlüssigen Erklärungen nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip liefern konnte bzw. kann, wurde sie bald als unwissenschaftlich aussortiert und ins Reich der Mythen verbannt.

Doch seit der einfachen Schlussfolgerung Newtons mit der Postulierung der Notwendigkeit von Ursache und Wirkung hat sich auch die Wissenschaft wesentlich weiterentwickelt. Die Relativitätstheorie zum Beispiel, die Heisenbergsche Unschärferelation oder die Quantenphysik haben viel komplexere Modelle der Welt entworfen, die vielfältige neue Aspekte ermöglichen. Denn in den genannten Theorien sind auch nicht-kausale und dennoch synchron auftretende Ereignisse denkbar. Selbstverständlich sind diese Zusammenhänge schwieriger zu erfassen und sehr abstrakt. Dies ist aber deswegen wesentlich, weil die Astrologie zwar nicht von einer direkten Einwirkung der Planeten auf den Menschen ausgeht (zumindest hängt die Mehrzahl der Astrologen nicht dieser Theorie an), aber annimmt, dass der Himmel mit seinen Gestirnen sozusagen eine Art Landkarte für den Menschen darstellt. Sie geht also vom Prinzip der Synchronizität aus, was Gleichzeitigkeit bedeutet: „Wie oben so unten“. Nach den neuesten wissenschaftlichen Modellen ist eine solche Synchronizität also durchaus denkbar und die Astrologie hat damit neue Perspektiven, sich als Wissenschaft zu etablieren und als Modell der Welt in Betracht gezogen zu werden.

Jedoch sind die Menschen dem mechanistischen Weltbild mit Ursache und Wirkung nach zwei Jahrhunderten noch immer tief verhaftet – auch die Wissenschaftler selbst. Dies liegt einfach daran, dass die neueren Forschungsergebnisse in ihrer Komplexität nur schwer zu greifen, die alten Muster aber tief verankert sind. Um das herkömmliche Denken zu überwinden, ist sicher noch Zeit vonnöten.

Die Wirkungsweise der Astrologie

Warum Astrologie tatsächlich funktioniert, das weiss im Grunde keiner. Sie entwickelte sich durch empirische Beobachtung von Himmelskonstellationen und den gleichzeitigen Geschehnissen auf Erden. Beobachtung und immer neue Überprüfung der Hypothesen führten zu den komplexen Zusammenhängen, die die Astrologie heute darstellt. Sie basiert wesentlich darauf, dass eine Synchronizität zwischen Himmelsgeschehnissen und Vorgängen auf der Erde postuliert wird. Diese Synchronizität wurde zwar schon vor Jahrtausenden entdeckt, jedoch nicht, warum sie gegeben ist.

Eine Problematik, die Astrologie wissenschaftlich nachzuweisen, besteht in der Tatsache, dass sie sich mit den einzigartigen Wesenszügen und Lebensthemen des einzelnen Menschen befasst. Jeder Mensch verfügt jedoch über Entfaltungsmöglichkeiten und die menschliche Seele ist schier unerschöpflich in ihrem Potenzial. Einzelne Merkmale zu untersuchen und sie mit astrologischen Komponenten wissenschaftlich in Zusammenhang zu bringen ist deswegen schwierig, da jeder Einzelfaktor im menschlichen Leben auch durch andere Momente im jeweiligen Horoskop mit bestimmt wird. Dies macht es fast unmöglich, einzelne Aspekte wissenschaftlich zu beweisen, da diese nicht von anderen Aspekten isoliert werden können. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass sich heute kaum noch Naturwissenschaftler oder Geisteswissenschaftler mit der Astrologie beschäftigen – obwohl dies für herausragende Wissenschaftler wie Johannes Kepler noch keine Frage war.

Wissenschaftliche Beweisversuche

Ein wichtiges Instrument, um die Wissenschaftlichkeit der Astrologie unter Beweis zu stellen, ist die Statistik. Durch statistische Erhebungen versuchen einzelne Astrologen den wissenschaftlichen Gehalt der Astrologie empirisch zu belegen, indem sie aufzeigen, dass sich bei bestimmten Gestirnkonstellationen Ereignisse oder auch Charakterzüge bei Menschen häufen. Auch in der Psychologie gibt es wissenschaftliche Arbeiten zum Thema. Die wichtigsten Vertreter sind hierbei Professor Suitbert Ertel und Dr. Peter Niehenke. Doch nicht alle Astrologen legen Wert auf die wissenschaftliche Beweisbarkeit der Astrologie. Der Astrologe Ernst Ott brachte es auf den Punkt: „Horoskopdeutung ist keine exakte Wissenschaft. Sie ist Kunst, Symbolsprache, kreative Methode. Astrologie beschreibt niemals, was ist und was sich ereignet, sondern vielmehr die innere Bedeutung der Ereignisse."

Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und Astrologie

Damit trifft Ott den Kern der Problematik: Im Grunde wird im Rahmen der Debatte um die Wissenschaftlichkeit der Astrologie versucht, mithilfe naturwissenschaftlicher Beweisführungen geisteswissenschaftliche Aussagen zu treffen. Denn die Astrologie befasst sich zwar mit den physischen Himmelskörpern, zielt aber mit ihren Aussagen auf das Bewusstsein, das Denken, denn Sinn und die Bedeutung sowie auf die Kultur des Menschen ab – letztere sind aber Gegenstand der Geisteswissenschaften und den Naturwissenschaften methodisch nicht zugänglich. Die Psyche des Menschen ist nicht gänzlich naturwissenschaftlich begründbar, obwohl es heute durchaus viele Erkenntnisse gibt, wie Biochemie auf das Verhalten des Menschen Einfluss nehmen kann. Seit der Renaissance hat sich zudem immer mehr die strikte Trennung zwischen der Natur und der Lebenswelt des Menschen durchgesetzt. Die Astrologie wiederum bildet eine Schnittstelle zwischen beiden, verbindet die Natur und den Menschen miteinander. Dieser Zusammenhang, die Einheit des Ganzen, war aber durch die Richtung der wissenschaftlichen Forschung nicht mehr gewünscht. Auch aus diesem Grunde wurde die Astrologie abgelehnt.

Die moderne Physik arbeitet aber beispielsweise im Bereich der Quantenmechanik inzwischen scharf an der Grenze der etablierten Beweispflicht und geht im Grunde darüber hinaus. Auch die Psychologie und die Biologie haben entdeckt, dass sich viele Verhaltensweisen des Menschen biochemisch wie auch neurologisch erklären lassen. Sie tragen damit dem Umstand Rechnung, dass der Mensch an der Schnittstelle zwischen äusserer, materieller Welt und der inneren, geistigen Erlebniswelt angesiedelt ist. Da die Astrologie Innen und Aussen nicht strikt trennt, ergeben sich somit neue Möglichkeiten der Arbeitsweise. De facto befindet sich die Astrologie wieder in Sichtweite der Zielgeraden: nämlich als Wissenschaft etabliert zu werden, die bewusst zwischen dem äusseren und dem inneren Menschen nicht trennt und gerade dadurch so wertvoll ist. Um diese Option zu realisieren, bedarf es aber noch einer Menge Forschungstätigkeit und schlicht und einfach Zeit. Auf alle Fälle sind aber Astrologie und Wissenschaft durch neuere Erkenntnisse wieder näher zusammengerückt.